Aquarell: Aller Anfang muss nicht schwer sein!

Aktualisiert: 23. März

Meine wichtigsten Erkenntnisse nach 2 Jahren Aquarell/Watercolor.

Als ich anfing, mit Aquarellfarben zu malen, war ich schnell überfordert. Auf verschiedenen Seiten wurden Dinge unterschiedlich erklärt oder bezeichnet. Teilweise fand ich sogar „Regeln“ für die richtige Technik. Es gibt sehr viele Tipps und Tutorials. In einem Tutorial wurde etwas als absolutes „No-Go“ erklärt, während es woanders als besondere Technik angepriesen wurde. Bestimmte Materialien wurden ans Herz gelegt und hoch gelobt, von anderen abgeraten. Es gab unzählige Papiere, Pinsel und Farben zur Auswahl. Was brauchte ich wirklich?


Natürlich übertreibe ich gerade etwas 😊 aber ich möchte Dinge immer verstehen, ich möchte das System dahinter erkennen und es anwenden können. Ich war verwirrt von den gegenteiligen Aussagen und der Flut der Möglichkeiten. Ich habe mich da durchgewühlt, aber ich kann mir auch vorstellen, dass es irgendwann zu viel wird, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht und aufgibt. Das fände ich schade, denn mit Aquarell zu malen macht so viel Spaß und ich möchte es nicht mehr missen. Jetzt, nach ca. 2 Jahren im Aquarellbereich, kann ich ein bisschen besser einschätzen, worauf es ankommt. In diesem Post möchte ich meine wichtigsten Erkenntnisse mit dir teilen. Das werden keine Materialempfehlungen oder Regeln sein - dazu aber später mehr -, sondern Gedankenanstöße, Inspiration und Motivation. Das ist meine perönliche Meinung und Einschätzung. Nimm dir davon mit, was du brauchst.


Meine erste Erkenntnis:


Qualität!

Die Qualität deiner Materialien spielt eine sehr wichtige Rolle. Ja, Aquarellmaterialien von den bekannten Herstellern sind teurer, aber es lohnt sich! Ich erzähle es so oft in meinen Workshops: wäre ich nicht nach ein paar Monaten von billigen „Amazonfarben“ zu Schmincke-Farben gewechselt, würde ich heute wahrscheinlich nicht mehr Aquarell malen.

Qualität bedeutet nicht gleich teuer, sondern ich meine damit Produkte für (Hobby-)Künstler*innen. Oft sind diese eben etwas teurer. Das müssen aber nicht nur die bekannten Marken Schmincke, vanGogh, Hahnemühle etc. sein. Es gibt inzwischen auch viele kleinere Marken oder Produkte von Künstler*innen.


Es spricht nichts dagegen für Tests oder Experimente auf günstigere Materialien zurückzugreifen. Insgesamt nimmt durch hochwertige Materialien aber der Frust ab und der Spaß zu.


Weil am Anfang schnell eine Summe zusammenkommen kann, starte mit wenigen hochwertigen Produkten. 12 Aquarellfarben, 2 Aquarell-Rundpinsel, 1-2 Aquarellblöcke. Mehr braucht es am Anfang nicht. Wenn du dich mit der Farbenlehre auskennst, oder sie ohnehin lernen möchtest, könntest du sogar mit weniger Farben am Anfang auskommen.

Es gilt am Anfang also erstmal


weniger ist mehr.


Beginne mit wenigen Materialien. Lerne diese gut kennen und erkenne, das mit so wenig schon viel Möglich ist, zum Beispiel durch die richtige Pinseltechnik. Wenn du mehr dazu lernen möchtest, empfehle ich dir, meinen Einsteiger-Workshop zu besuchen.

Ich werde oft gefragt, welche Materialien ich für den Anfang empfehle. Ich spreche Empfehlungen sehr selten aus. Damit kommen wir zu dem Punkt,


warum ich nur sehr ungern konkrete Materialempfehlungen ausspreche: Individualität.

Wir alle sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Vorlieben. Jede*r von uns malt anders, verwendet eine andere Menge Wasser, malt mit mehr oder weniger Druck. Deshalb finde ich es schwierig allgemeine Empfehlungen für Materialien auszusprechen.

Ich spreche Empfehlungen nicht nicht aus, weil es mir schwer fällt meine Meinung zu sagen, sondern weil es eben nur meine Meinung ist. Wenn ich ein Papier gut finde und für mein Empfinden gut darauf malen kann, dann gilt das nur für mich 😊 Das Papier, das ich gerne mag, kann anderen gar nicht gefallen oder beim Malen nicht die gewünschten Eigenschaften aufweisen.


Außerdem gibt es so viele gute Produkte, die ich teilweise gar nicht kenne oder noch nicht getestet habe, dass ich es unfair fände, nur wenige zu nennen.


Weil ich es aber verstehen kann, dass du am Anfang Empfehlungen gerne entgegennimmst, mache ich eine Ausnahme: für meinen Einsteiger Workshop. Hier versende ich auf Anfrage gerne eine Liste mit Materialien, die ich (für diesen Workshop) empfehlen kann.

Das Thema Individualität führte mich zu meiner nächsten wichtigen Erkenntnis.

Gerade am Anfang ist es sehr wichtig, bei einem Motiv immer auch verschiedene Materialien und Techniken zu testen.


Wenn man etwas neues lernt, hat man einfach noch keinen Erfahrungsschatz zu diesem Bereich. Ich war am Anfang oft frustriert, wenn ein bestimmtes Motiv nicht klappte, auch nachdem ich die Qualität meiner Materialien angepasst hatte. Ich ging dann dazu über, ein Motiv zum Beispiel auf mehreren Papieren oder mit mehreren Techniken zu testen.


Das steht natürlich ein Wenig im Widerspruch zu „weniger ist mehr“. Mit der Zeit solltest du dennoch verschiedene Papier und gegebenenfalls auch Pinsel anschaffen. Gib nicht so schnell auf,

sondern probiere weiter. Ich habe meine ersten Motive auf 3-4 unterschiedlichen Papieren getestet. Manchmal reicht es auch, an das Motiv anders heranzugehen und eine andere Technik zu verwenden.


Mit der Übung bekommst du dann ein Gefühl, welches Papier für welches Motiv passt, welche Technik du verwenden könntest und welche Pinsel etc. Nimm dir dafür auch vor jedem Bild Zeit, darüber nachzudenken, welches Papier, welche Technik etc. zu bestimmen.

Und dabei gilt:


Es gibt kein falsch oder richtig!


Das ist wohl meine allerwichtigste Erkenntnis. Es gibt keine Regeln. Du darfst malen, wie du möchtest!

Es gibt viele tolle Tutorials etc.. Nutze sie! Aber behalte im Hinterkopf, dass die Tipps und „Regeln“ für das eine Motiv oder diese Materialien gut funktionieren. Das muss nicht bei allen Motiven der Fall sein. Und vor allem denke nicht dadurch, dass du so malen müsstest und es nicht anders gemacht werden darf. Siehe diese Tipps als Inspiration.

Wenn du dann selbst ein Motiv auswählst, kommt es immer darauf an, was du möchtest. Wähle aus den vielen Inspirationen, die du bereits gesammelt hast.


Zum Beispiel das Thema Wasserflecken bzw. Blumenkohlränder. Bei den einen sind sie Anzeichen einer falschen Technik bei anderen werden sie bewusst erzeugt. Meiner Meinung nach, sind sie weder falsch noch richtig. Es kommt darauf an, ob du sie in deinem Bild haben möchtest.



Zum Beispiel war es mir bei diesem Bild ganz besonders wichtig, dass Wasserfelcken entstehen.










Das versuche ich auch immer, in meinen Workshops zu vermitteln. Ich möchte euch keine Regeln oder Gesetz beibringen (davon hatte ich genug in meinem Studium und Referendariat ;)). Ich möchte die Möglichkeiten aufzeigen und dich ermutigen, deinen eigenen kreativen Weg und vor allem seinen ganz eignen Stil zu finden. Ich gebe dir meine Erkenntnisse weiter und die wichtigsten Infos zu den Materialien und den Techniken. Du entscheidest, was du davon mitnehmen möchtest, aber bitte mache von allem einmal das Gegenteil, experimentiere und lass dich niemals begrenzen.


Und dafür ist es wiederum sehr wichtig zu verstehen, was alles möglich ist und wie es funktioniert. Also wenn du zum Beispiel Wasserflecken möchtest, aber sie nur durch Zufall manchmal entstehen und manchmal nicht, solltest du dich auch damit auseinandersetzten und verstehen, wie du sie bewusst einsetzen kannst. Denn


Kunst kommt von Können.


Wenn du malst, weil du deine Ideen nach deinen Vorstellungen umsetzen möchtest, dann eigne dir Wissen dazu an! Unser Verstand/Wissen unterstützt uns beim kreativen Prozess, indem es die Möglichkeiten abspeichert, abrufbar macht und wir mit der Übung besser werden.


Ich bin immer dafür, sich mit dem Handwerk, in dem man kreativ werden möchte, zu befassen. Nichts ist schlimmer, als eine tolle Idee zu haben, die du dann aufgrund der fehlenden Technik nicht umgesetzt kannst. Du kannst zum Beispiel lernen, welche Techniken es gibt, die Farben zu kombinieren. Welche Stile es gibt und wie du sie verwendest. Und noch tiefer. Zum Beispiel, wie kannst du Blumen auf verschiedenen Weisen malen. Wie kann kannst du Blätter darstellen. Über jedes Thema ließe sich vermutlich ein Workshop halten. Dinge verstehen und Wissen ist gut, aber sie zu üben genauso. Oft kommt das Wissen auch erst über das Üben.


Aber bitte: kein Stress! Du musst nicht alles können und wissen. Wenn du malst, weil es dich entspannt, musst du nicht so vertieftes Wissen haben, wie jemand, der zukünftig Portraits malen möchte. Du entscheidest, welchen Weg du auf deiner kreativen Reise einschlägst. Kein Weg ist eine Sackgasse! Du kannst immer neue Wege einschlagen.

Denke auch bitte immer daran: das, was ich dir in meinen Workshops zeige, sind Techniken, die für mich gut funktionieren. Vielleicht gefallen sie dir gar nicht. Das ist völlig in Ordnung. Dann probiere andere aus. Lerne jeden Tag und bei jedem Malen dazu! Am Ende hast du viel Wissen, aus dem du auswählen kannst.


Ich bin auch der Meinung, dass Wissen über gewisse Dinge viel zur Sicherheit und Entspannung im kreativen Prozess beitragen kann. Zum einen, weil wir verstehen, wie die Dinge funktionieren und sie so auch tatsächlich besser funktionieren und wir damit zufriedener sind. Außerdem eigenen sich diese Motive, die wir „verstehen“, auch toll zum meditativen Malen, indem wir diese Motive, Technik wiederholen oder übertragen. Wir können also durch Wissen und Können zum einen entspannter Malen und zum anderen dadurch mehr Entspannung erfahren.


Deshalb gibt’s in meinem Einsteiger Workshop ganz viel Wissen kombiniert mit einer entspannten Auszeit für dich. Ich nehme dich an der Hand und gehe das erste Stück deines kreativen Weges mit dir.

Vertraue dem Prozess und dir! Schreib' mir gerne bei Fragen.


Bleib' kreativ!

Michelle



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